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Stärkung der Selbsthilfe – Stärkung der Patienten: „Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal“

Selbsthilfegruppen, also Menschen die sich freiwillig zusammenfinden, um ein gleiches Problem gemeinsam anzugehen, sind eine wichtige Säule in unserem Gesundheitssystem.
Selbsthilfefreundliche Kliniken lassen das umfassende Know-How der Selbsthilfegruppen zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten unmittelbar in ihr ärztliches und pflegerisches Handeln einfließen. Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen oder psychischen und sozialen Problemen finden in der gemeinschaftlichen Selbsthilfe oftmals hilfreiche Unterstützung für den Alltag und das Verständnis Gleichbetroffener, ein soziales Netz, das auch in schwierigen Lebenslagen hilft. Selbsthilfefreundliche Kliniken fördern daher aktiv den Kontakt zwischen Patientinnen, Patienten und der Selbsthilfe.

So ist es kein Zufall, dass Patienten schon im Krankenhaus auf Selbsthilfegruppen hingewiesen werden, sondern ein zentrales Ergebnis.
Eine Selbsthilfe-Beauftragte als zentrale Ansprechperson für die Kooperationsinteressen der Selbsthilfe anzutreffen ein Gewinn.

Die Zusammenarbeit von Klinikum, Selbsthilfekontaktstelle Bielefeld und Selbsthilfegruppen wird systematisch und strukturiert weiterentwickelt, von der alle Beteiligte profitieren – vor allem die Patienten und ihre Angehörigen.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld verfolgt diese Idee entlang des Konzeptes „Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal“, in dem sie die Kooperation der Selbsthilfegruppen mit dem Klinikum Bielefeld (seit 2008) und dem Evangelischen Klinikum Bethel (seit 2017) unterstützt.

Grundlage bilden die Qualitätskriterien selbsthilfefreundliches Krankenhaus. Damit liegt ein Instrumentarium vor, das es ermöglicht, die Selbsthilfefreundlichkeit als Kernelement von Patientenorientierung in einem Krankenhaus bzw. einer Fachabteilung zu etablieren. Die Kriterien lauten in Kürze:

  1. Bereitstellung von Räumen, Infrastruktur, Präsentationsmöglichkeiten für die Selbsthilfe
  2. Regelhafte Information der Patienten über Selbsthilfe
  3. Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit von Selbsthilfezusammenschlüssen
  4. Benennung eines Selbsthilfebeauftragten
  5. Regelmäßiger Erfahrungs- und Informationsaustausch
  6. Einbeziehung der Selbsthilfe in die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern im Krankenhaus
  7. Mitwirkung der Selbsthilfe an Qualitätszirkeln, Ethikkommissionen u.ä.
  8. Formaler Beschluss und Dokumentation der Kooperation

Im Klinikum Bielefeld wurde Sandra Knicker als „Selbsthilfebeauftragte“ benannt. Sie hält den Kontakt zu den Selbsthilfegruppen und vertritt den Gedanken des selbsthilfefreundlichen Krankenhauses im Haus. Bei der Umsetzung wird das Klinikum von Christa Steinhoff-Kemper, Mitarbeiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld, unterstützt. Im Evangelischen Klinikum Bethel ist Sandra Kläsener, Referentin Ehrenamt und Selbsthilfe als Selbsthilfbeauftragte benannt und aktiv in der Unterstützung der Umsetzung der Anforderungen. Die Auszeichnung als Selbsthilfefreundliches Krankenhaus wird angestrebt.

Die Umsetzung der Qualitätskriterien erfolgte in Qualitätszirkeln, in denen die Selbsthilfegruppen und die Selbsthilfebeauftragte des jeweiligen Krankenhauses unter Moderation der Selbsthilfe-Kontaktstelle konkrete Maßnahmen erarbeiteten. Beispielsweise sieht eine Maßnahme zur Erfüllung des 2. Qualitätskriteriums vor, dass gemeinsam verbindliche Absprachen für die Zusammenarbeit getroffen werden.

Dazu wurden im Qualitätszirkel Treffen von der Gruppe mit dem Personal einer Station verabredet, um die Mitarbeiter darüber zu informieren, wann und wie Patienten am besten auf die Möglichkeit angesprochen werden, sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden. Horst Jakob (Selbsthilfegruppe Herzpatienten im Gespräch) beschreibt seine Erfahrung so: „Ich hatte den Eindruck, die finden das richtig gut, dass es jetzt eine intensivere Kooperation mit Selbsthilfegruppen gibt. Von den Schwestern kamen tolle Vorschläge, was man noch verbessern kann. Da war schon klar: Es geht ja nicht nur darum, einen Flyer zum Mitnehmen in einen Kasten zu stecken. Es kommt auch auf das persönliche Gespräch an“, betont Jacob. Und schließlich haben engagierte Pflegekräfte auch ein besseres Gefühl, wenn sie wissen, dass ihre Patienten nach der Entlassung aus der Klinik nicht in einen luftleeren Raum fallen, sondern sich Unterstützung bei Selbsthilfegruppen holen können.“

Weitere Informationen:

Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld
Stapenhorststraße 5
33615 Bielefeld
Telefon: 0521/ 96 406 98
Fax 0521/96 406 97
Ansprechpartnerin: Christa Steinhoff-Kemper

Klinikum Bielefeld
Selbsthilfe-Beauftragte Sandra Knicker
Telefon: 05 21 5 81 22 77 (PIZ)
E-Mail: sandra.knicker@klinikumbielefeld.de
weitere Informationen: Hier

Evangelisches Klinikum Bethel
Selbsthilfe-Beauftrage Sandra Kläsner (Referentin Ehrenamt und Selbsthilfe)
Tel: 0521 77279360
E.Mail: sandra.klaesener@evkb.de
weitere Informationen: Hier

Das Konzept „Selbsthilfefreundlichkeit“ wird inhaltlich vom Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung ® im Gesundheitswesen in Trägerschaft der DAG SHG e.V. verfolgt und finanziell gefördert durch die Krankenkassen/-verbände auf Bundesebene. Weitere Informationen: Hier

 

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