Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld
Selbsthilfegruppen, als diejenigen, die Patienteninteressen formulieren, können auch den medizinischen Profis wertvolle Anstöße gehen zur Optimierung von Behandlungsabläufen geben. Damit werden sie zu einer wichtigen Größe in dem sich wandelnden Gesundheitssystem.
Die seit dem Jahr 2000 vom Gesetzgeber angestoßene Qualitätsdebatte führte mit zu einer Stärkung der Patientensouveränität im Sinne einer Beteiligung von Patienten und der verpflichtenden Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe. Doch wie kann dies praktisch umgesetzt werden?
Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld verfolgt diese Idee mit dem Projekt „Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal“, in dem sie die Kooperation der Selbsthilfegruppen mit dem Klinikum Bielefeld strukturiert und systematisch aufbaut und weiterentwickelt. Das Klinikum Bielefeld erhält die Auszeichnung „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“, wenn bestimmte Qualitätskriterien der Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe erfüllt sind. Neben der Umsetzung in Bielefeld ist die Selbsthilfe-Kontaktstelle auch Standort der landesweiten Agentur Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen NRW, gefördert vom BKK Bundesverband, Essen und BKK - Landesverband Nordwest in Trägerschaft des Paritätischen NRW.
Marianne K. verlässt das Klinikum Bielefeld durch die große Drehtür. Nach vielen Untersuchungen während des stationären Aufenthaltes in der Klinik für Innere Medizin steht es fest. Sie wird einen künstlichen Darmausgang bekommen. Trotz der klärenden Gespräche, die sie mit dem behandelnden Arzt über Krankheit und Verlauf und mögliche Therapien geführt hat, schwirrt ihr vieles im Kopf herum. Ihr Mann hat zunächst sehr verständnisvoll reagiert. Aber wie wird es im alltäglichen Umgang sein? Was bedeutet es mit einem künstlichen Darmausgang am Schreibtisch zu arbeiten? Soll sie es den Kollegen erzählen? Fragen über Fragen, die ihr durch den Kopf gehen und auf die es noch keine Antwort gibt. Noch im Auto schaut sie sich die Informationsmaterialien an, die ihr an die Hand gegeben wurden. Ein Flyer der Selbsthilfegruppe Deutsche Ilco und der Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld. Die Ärztin und die Schwester kenne die Selbsthilfegruppe gut, haben sie gesagt. Und ihr Mut gemacht sich über die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld weiter zu informieren. All meine Fragen Menschen zu stellen, die schon viel länger mit der Krankheit leben, Antworten zu bekommen, die im Alltag weiterhelfen, das wäre schon gut, überlegt sich Marianne K. und trifft eine Entscheidung : Gleich morgen werde ich anrufen, mich über die Gruppe informieren und fragen, wann und wo sie sich trifft.
Seit 2008 arbeitet das Klinikum Bielefeld daran „selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ zu werden. Und so ist es kein Zufall, dass Patienten schon im Krankenhaus auf Selbsthilfegruppen hingewiesen werden, sondern ein erstes Ergebnis.
Die Zusammenarbeit von Klinikum, Selbsthilfekontaktstelle Bielefeld und Selbsthilfegruppen wird systematisch und strukturiert weiterentwickelt, von der alle Beteiligte profitieren – vor allem die Patienten und ihre Angehörigen.
Grundlage bilden die Qualitätskriterien selbsthilfefreundliches Krankenhaus. Damit liegt ein Instrumentarium vor, das es ermöglicht, die Selbsthilfefreundlichkeit als Kernelement von Patientenorientierung in einem Krankenhaus bzw. einer Fachabteilung zu etablieren. Die Kriterien lauten in Kürze:
Im Klinikum Bielefeld wurde Sandra Knicker, Leiterin des Patienten-Informations-Zentrums (PIZ), als „Selbsthilfebeauftragte“ benannt. Sie hält den Kontakt zu den Selbsthilfegruppen und vertritt den Gedanken des selbsthilfefreundlichen Krankenhauses im Haus. Bei der Umsetzung wird das Klinikum von Christa Steinhoff-Kemper, Mitarbeiterin der Selbsthilfekontaktstelle Bielefeld, unterstützt.
Die Umsetzung der Qualitätskriterien erfolgt in Qualitätszirkeln, in denen die Selbsthilfegruppen und die Selbsthilfebeauftragte des Krankenhauses unter Moderation der Selbsthilfe-Kontaktstelle konkrete Maßnahmen erarbeiten. Beispielsweise sieht eine Maßnahme zur Erfüllung des 2. Qualitätskriteriums vor, dass gemeinsam verbindliche Absprachen für die Zusammenarbeit getroffen werden.
Dazu wurden im Qualitätszirkel Treffen von der Gruppe mit dem Personal einer Station verabredet, um die Mitarbeiter darüber zu informieren, wann und wie Patienten am besten auf die Möglichkeit angesprochen werden, sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden. Horst Jakob (Selbsthilfegruppe Herzpatienten im Gespräch) beschreibt seine Erfahrung so: „Ich hatte den Eindruck, die finden das richtig gut, dass es jetzt eine intensivere Kooperation mit Selbsthilfegruppen gibt. Von den Schwestern kamen tolle Vorschläge, was man noch verbessern kann. Da war schon klar: Es geht ja nicht nur darum, einen Flyer zum Mitnehmen in einen Kasten zu stecken. Es kommt auch auf das persönliche Gespräch an“, betont Jacob. Und schließlich haben engagierte Pflegekräfte auch ein besseres Gefühl, wenn sie wissen, dass ihre Patienten nach der Entlassung aus der Klinik nicht in einen luftleeren Raum fallen, sondern sich Unterstützung bei Selbsthilfegruppen holen können.“
An den regelmäßigen Qualitätszirkeln im Klinikum Bielefeld arbeiten folgende Selbsthilfegruppen mit:
Weitere Informationen:
Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld
Stapenhorststraße 5
33615 Bielefeld
Telefon: 0521/ 96 406 98
Fax 0521/96 406 97
Ansprechpartnerin: Christa Steinhoff-Kemper
Klinikum Bielefeld
Patienten-Informations-Zentrum
Teutoburger Straße 50
33604 Bielefeld
Tel. 0521/ 581 22 77
Das Projekt „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen“ wird inhaltlich und finanziell gefördert durch den BKK Bundesverband, www.bkk.de .
Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld ist gleichzeitig Standort der Agentur Selbsthilfefreundlichkeit NRW, zuständige Mitarbeiterin ist Christa Steinhoff-Kemper.
www.selbsthilfefreundliches-krankenhaus-nrw.de
Ausdruck aus:
http://www.selbsthilfe-bielefeld.de/content/e651/e890/index_ger.html
[
Startseite
Projekte
Selbsthilfefreundlichkeit als Qualitätsmerkmal
]
© 2010 Paritätischer Wohlfahrtsverband LV NRW e.V.